Feldhasen – Aufzucht

Aufzucht von Feldhasen

Feldhasenbaby, ca. 1 Woche alt
Sollten Sie bei einem Spaziergang oder in Ihrem Garten ein auf die Erde geducktes Feldhasenbaby sehen, lassen Sie es bitte liegen und greifen Sie es auf keinen Fall an!!!

Feldhasenmütter legen Ihre Babies verteilt über ein größeres Areal ab und kommen nur zweimal am Tag (also alle 12 Stunden) zum Säugen. In der restlichen Zeit ist der Nachwuchs auf sich selbst gestellt und durch sein regungsloses Verharren und seinen noch nicht vorhandenen Eigengeruch sehr gut vor Fressfeinden geschützt. Wenn Sie ein Feldhasenbaby auch nur einmal kurz anfassen, nimmt es Ihren Geruch an und wird von seiner Mutter nicht mehr angenommen, Sie würden es somit dem sicheren Tod durch Verhungern ausliefern.

Oft werden junge Feldhasen aus falsch verstandenem Mitleid mitgenommen und mit der Hand aufgezogen, obwohl Ihre Überlebenschancen um ein Vielfaches höher sind, wenn man Sie bei ihrer Mutter beläßt. Bitte entnehmen Sie nur dann Feldhasenbabies aus der Natur, wenn es absolut unumgänglich ist, d.h. konkret, wenn z.B. Ihr Hund oder Ihre Katze ein bereits verletztes Tier bringen.

Unterbringung

Sollte der Fall eintreten, dass Sie ein Feldhasenbaby mit nach Hause nehmen müssen, ist es zuerst wichtig, dass Sie das ungefähre Alter einschätzen können. In den ersten Lebenstagen geben die Ohren bzw. das Verhältnis der Ohrlänge zu Kopflänge einen Hinweis auf das Alter. Bitte beachten Sie, dass Feldhasen Nestflüchter sind, d.h. sie kommen mit vollständigem Fellkleid und offenen Augen zur Welt und verfügen vom ersten Tag an über alle nötigen Fähigkeiten wie Fressen, Trinken, Laufen, Thermoregulation etc. Ist das Tier jünger als 1 Woche, sind die Ohren kürzer als der Kopf, mit einer Woche sind die Ohren gleich lang und werden dann zusehends länger. Je jünger das Tier, desto schwieriger gestaltet sich die Aufzucht, da das Immunsystem eines Jungtiers in den ersten Lebenswochen durch die Muttermilch aufgebaut wird. Prinzipiell ist es also immer besser, den kleinen Feldhasen in erfahrene Hände zu geben.

Sollten Sie keine Möglichkeit haben, den Findling sofort zu einer entsprechenden Pflegestelle zu bringen, nehmen Sie einen ausrangierten Meerschweinchen- oder Kaninchenkäfig, streuen ihn mit Säge- oder Hobelspänen ein und geben Sie ausreichend Heu zum Verstecken und Fressen hinein. Frisches Wasser sollte in einem Napf gereicht und mehrmals täglich gewechselt werden. Zusätzliche Wärme ist im Normalfall nicht notwendig, es sei denn, Sie haben ein bereits vollständig ausgekühltes Baby gefunden.

Nahrung

Feldhasenbabies brauchen zwei Fütterungen täglich, es sollte möglichst der natürliche Rhytmus von 12 Stunden eingehalten werden. Es ist außerdem wichtig, dass immer frisches Gras und Heu vorhanden ist.

Sie benötigen:

1 beaphar-Auzuchts-Set mit Fläschen und Sauger (Achtung: die Sauger sind nicht perforiert, sie müssen die Öffnung zum Trinken erst ausstechen) (Zoofachhandel)
Royal-Canin-Katzenaufzuchtmilchpulver (Zoofachhandel)
Anis/Kümmel/Fenchel-Tee (Apotheke, Drogeriemarkt)
Enteroferment (Darmbakterien zur Verhinderung von Durchfällen) (Apotheke, Tierarzt)
SAB-Tropfen gegen eventuelle Blähungen (Apotheke)

Zubereitung der Milch:
Tee auf etwa 50° C abkühlen, pro 20ml 1 Messbecher Royal-Canin-Pulver (in der Packung enthalten) dazugeben und gut vermischen, um Klumpenbildung zu vermeiden, 1 Messerspitze Enteroferment dazugeben und noch einmal gut mischen. Die Temperatur der Aufzuchtsmilch sollte beim Füttern bei 39°C liegen, am besten mit dem Fieberthermometer nachmessen. Zu hohe und zu niedrige Futtertemperaturen verursachen Durchfälle, außerdem sterben bei zu hohen Temperaturen die Darmbakterien ab. Je nach Alter des Feldhasen schwankt die Futtermenge pro Fütterung zwischen 7ml und bis zu 80ml. Nicht verbrauchte Milch bitte entsorgen, nicht noch einmal aufwärmen.

Oft fressen Babies bei den ersten Fütterungen sehr schlecht (0-3ml), da sie natürlich Angst haben und den Sauger nicht gleich akzeptieren. Sie brauchen also viel Geduld, bis der Feldhase einmal anfängt zu trinken. Wenn er einmal verstanden hat, wie es geht, wird er aber täglich begeisterter und mehr trinken. Die Säugezeit beträgt in der Natur etwa 35 Tage, diese sollte auch bei Handaufzucht nicht wesentlich überschritten werden. Sobald der kleine Feldhase ausreichend feste Nahrung in Form von Gras und Kräutern zu sich nimmt, sollte die Milchmenge täglich reduziert werden, bis sie ganz weggelassen werden kann. Ab der ersten Lebenswoche ist es unbedingt notwendig, dass der kleine Feldhase untertags in einem aus- und einbruchssicheren Gehege nach draussen kommt, damit er sich einerseits an die natürlichen klimatischen Bedingungen gewöhnen kann und andererseits genug zu fressen findet. Sollten Sie diese Möglichkeit nicht haben, geben Sie Ihren Findling spätestens jetzt an eine Wildtierstation ab. Die Auswilderung bei Feldhasen kann erfolgen, sobald sie von der Milch entwöhnt sind und genug feste Nahrung zu sich nehmen (achten Sie darauf, ob Ihr Schützling zunimmt auch wenn er keine Milch mehr bekommt). Es empfiehlt sich, die Auswilderung in einem Naturschutzgebiet vorzunehmen bzw. in einem Gebiet, von dem Sie wissen, dass dort bereits Feldhasen vorkommen (und in dem sie nicht stark bejagt werden), am besten geeignet sind weite offene Wiesen mit genügend Deckungsmöglichkeiten in möglichst großer Entfernung zur nächsten Straße.